home home home
 
Startseite Pressestimmen

Pressestimmen

»Reichskristallnacht«

Kölner Stadt-Anzeiger, 29.09.2008

zu »Reichskristallnacht« Buchvorstellung Auch Bürger zeigten Zerstörungswut Von Julia Kunze, 29.09.08, Ein neues Buch zur »Reichskristallnacht« ist erschienen. Regionalhistoriker Hans-Dieter Arntz zitiert darin unter anderem aus alten Gerichtsakten. Regionalhistoriker Hans-Dieter Arntz (links) stellte sein neues Buch »Reichskristallnacht« kürzlich am früheren Standort der Synagoge in der Euskirchener Annaturmstraße vor. Regionalhistoriker Hans-Dieter Arntz (links) stellte sein neues Buch »Reichskristallnacht« kürzlich am früheren Standort der Synagoge in der Euskirchener Annaturmstraße vor. Euskirchen - Einen Versuch, die »Reichskristallnacht« in der Eifel und Voreifel aus verschiedenen Aspekten darzustellen, wagt Hans-Dieter Arntz mit seiner neuesten Veröffentlichung »Reichskristallnacht - Der Novemberpogrom 1938 auf dem Lande“. Gerichtsakten und Zeugenaussagen, die, so Arntz, noch nie publiziert wurden, präsentiert der Regionalhistoriker in seinem Buch. Demnach müsse man davon ausgehen, dass Geschäfte, Synagogen und Häuser von Juden nicht, wie in der Schule oft gelehrt, von Fremden geplündert und zerstört worden seien. Arntz belegt mit heimlich geschossenen und nach dem Krieg aufgetauchten Bildern, dass ganz normale Bürger an den Plündereien der Kristallnacht beteiligt waren. »1939 wurde halb Lommersum angezeigt, es gab 120 Verdächtige wegen Diebstahl“, erklärte der Regionalhistoriker. Gerade in Mechernich, Gemünd und Hellenthal seien die Bürger mit großer Zerstörungswut ans Werk gegangen: »In Mechernich wurden zehn Häuser regelrecht abgerissen. Das ist nicht einmal in München oder Berlin passiert.« Dass diese Übergriffe nach dem Ende des Hitler-Regimes nicht vor Gericht gebracht wurden, lässt sich, so Arntz, ganz einfach erklären: »Man kannte sich untereinander und wollte seinen Nachbarn oder zukünftigen Chef nicht reinreißen.« Gerade von Unternehmern, die vorher in der NSDAP mitgemischt hatten, wurde nach dem Krieg gezielt Druck ausgeübt, damit Zeugen vor Gericht ihre Aussagen fallen ließen. »Das liest sich wie ein Krimi“, erklärt Arntz, der überzeugt davon ist, dass auch viele Richter dabei eine unrühmliche Rolle gespielt haben. Hans-Dieter Arntz will sich mit seinem neuen Buch auch dafür einsetzen, dass das Gebäude der Sinzenicher Synagoge, das als einziges Gotteshaus im Kreis die Reichskristallnacht überstanden hat, unter Denkmalschutz gestellt wird. Außerdem fordert er eine Josef-Weiss- Straße in Flamersheim. Der aus Flamersheim stammende Jude wurde ins Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert und überlebte dort als »Judenältester« und Schriftführer der Nationalsozialisten. Ihm ist es zu verdanken, dass nach dem Krieg eine Liste mit 15 000 Namen zum Roten Kreuz gelangte - unter den Toten waren auch Margot und Anne Frank. Erschienen ist »Reichskristallnacht« im Helios-Verlag. »Auch Bürger zeigten Zerstörungswut«

Zurück zur Übersicht

  © 2010 Helios Verlags- und Buchvertriebsgesellschaft