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»Reichskristallnacht«

Kölnische Rundschau, 23.01.2009

»German Jewish History Award«
Auszeichnung für einen »Korinthenkacker«Von Michael Schwarz, 23.01.09, 18:20h Nein, es war keine Verwechslung. Als Hans-Dieter Arntz die Nachricht erhielt, er solle für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden, »konnte ich es zuerst nicht glauben.« Doch es stimmt: Am kommenden Dienstag wird der Euskirchener Regionalhistoriker in Berlin mit dem »German Jewish History Award« ausgezeichnet. Euskirchen - Der »German Jewish History Award« ist einer der bedeutendsten internationalen Auszeichnung für Nicht-Juden. Für seine drei Jahrzehnte lange Forschung über das Leben der Juden im Köln / Bonner Raum, aber vor allem wegen seiner Versöhnungsarbeit soll Arntz diese Ehre zuteil werden. Denn neben seinen zahlreichen Publikationen konnte der ehemalige Lehrer Familien zusammenführen und älteren Juden, die unter der Naziherrschaft alles verloren hatten, zur Rente verhelfen: »Wer Auschwitz überlebte, hatte keine Belege mehr«, erzählt Arntz. Durch seine Forschungen wurde der Anspruch vieler dieser Menschen nachgewiesen. Es begann mit dem berühmten weißen Fleck. Ende der 70er Jahre - Arntz hatte sich bereits als Regionalhistoriker etabliert - begann er sich verstärkt mit dem Schicksal der Juden in Euskirchen und Umgebung zu beschäftigen. »Damals lief die Serie Holocaust im Fernsehen«, erinnert sich Arntz. Die Frage, wie es den jüdischen Mitbürgern vor Ort ergangen ist, beschäftigte ihn von da an verstärkt. Es wurde zur Lebensaufgabe, die ihn faktenversessen nächtelang über Akten, Büchern und Karteikarten brüten und inzwischen 15 Bücher schreiben ließ. »Wenn Sie so wollen, bin ich ein Korinthenkacker«, sagt er. Zeitzeugen aus Übersee Hunderte von Menschen hat er kennen gelernt durch seine Tätigkeit. Jüdische Organisatoren unterstützen ihn, und er sie - weltweit: »Da liegt man dann in der Badewanne und plötzlich meldet sich ein Zeitzeuge aus Übersee.« Dass seine Arbeit und vor allem deren Ergebnisse ihm nicht nur Freunde brachten, bleibt nicht aus: »In den 80er Jahren bekam ich auch schon mal Briefe, in denen ich als Drecksau beschimpft wurde.« Von seiner Arbeit abhalten konnte ihn das nicht. Standardwerke über die »Ordensburg« Vogelsang, über die Pogrome des November 1938 im Kreis Euskirchen oder das Buch »Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischem Grenzgebiet« sind das eine, die durch seine Nachforschungen entstandenen Kontakte und Zusammenführungen von Menschen, die voneinander gar nicht wussten, ob sie die Konzentrationslager überlebt haben, das andere. Arntz erinnert besonders gerne an den Juni 1984. Ehemalige Bewohner von Flamersheim besuchten den Kreis Euskirchen. Etwa 20 damalige jüdische Mitbürger oder deren Angehörige im Alter von 75 bis 100 Jahren waren angereist, wurden privat beherbergt und bewirtet. Sie lebten bei ehemaligen Freunden, der Haushälterin, dem früheren Sportskameraden oder Dorfbewohnern, zu denen man vor der Diskriminierung durch die Nazis guten Kontakt hatte. Auch vom damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens wurden Gäste und Gastgeber empfangen. Hier traf man Frieda Daniel, inzwischen verheiratete Pfeuffer, aus Kirchheim, »von der man angenommen hatte, dass sie im Holocaust umgekommen wäre.« Unvergessliche Momente für Arntz. Ein solcher dürfte ihn nun auch am Dienstag in der Hauptstadt erwarten. Die Genealogin Shulamit Spain-Gayer aus Schottland hatte ihn vorgeschlagen, 16 Befürworter trugen sich in die Liste ein - unter ihnen die 95-jährige, in Kommern geborene Emmy Kaufmann , verheiratete Golding , die heute in London lebt, die aus Sinzenich stammenden Schwestern Ilse und Ruth Scheue r, die Auschwitz und Theresienstadt überlebt hatten und heute in den USA leben. Auch Dr.Gerald Weiss , ein Verwandter des aus Flamersheim stammenden Judenältesten von Bergen-Belsen, dem Arntz nach mehreren Veröffentlichungen sein nächstes großes Werk widmen möchte, trat dafür ein, dass der Euskirchener nach der Jansz-Korczak-Medaille in Israel (1984), dem Bundesverdienstkreuz (1985) und dem Rheinlandtaler (1992) nun eine weitere große Auszeichnung erhält. »Als ich die Namen der Befürworter las«, schmunzelt Arntz, »war mir klar, dass es doch keine Verwechslung war.« www.hans-dieter-arntz.de

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